Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr)
Dienststelle Schiffssicherheit
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Offshore-Servicefahrzeuge

Was sind Offshore-Servicefahrzeuge?

Ohne Offshore-Schiffe ist die deutsche Energiewende nicht denkbar. In deutschen Gewässern sind in diesem Segment viele kleine Versorgungssschiffe für die Offshore-Windparks unterwegs. Diese Offshore-Servicefahrzeuge transportieren vor allem Service- und Aufsichtspersonal zu den Offshore-Windparks weit vor der Küste.

Für Offshore-Servicefahrzeuge unter deutscher Flagge

  • in der Inlandsfahrt (unabhängig von der Schiffslänge) oder
  • in der Auslandsfahrt mit einer Schiffslänge von weniger als 24m

gilt die Nationale Freibordrichtlinie.

Bei den Offshore-Servicefahrzeugen gibt es im Wesentlichen zwei Fahrzeugkategorien:

  • Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge (auf englisch: High Speed Craft, HSC), die als HSC gebaut wurden und mit hohen Geschwindigkeiten verkehren und
  • traditionell gebaute Servicefahrzeuge.

 

Hochgeschwindigkeits-Offshore-Servicefahrzeuge

Für Hochgeschwindigkeits-Offshore-Servicefahrzeuge unter deutscher Flagge gilt die nationale Frachtschiffsrichtlinie. Diese Schiffe sind Frachtschiffe, für die besondere Regelungen gelten. Die Betreiber solcher Fahrzeuge dürfen auf ihren Schiffen bis zu 60 Personen einschließlich der Besatzung befördern. Von diesen 60 Personen dürfen maximal 12 Personen Fahrgäste sein. Die anderen Personen müssen entweder Besatzungsmitglieder oder Offshore-Servicepersonal sein. Unter den Begriff "Offshore-Servicepersonal" fallen solche Personen, die bei der Errichtung, den Betrieb und die Wartung von Offshore-Windparks und anderen Offshore-Bauwerken tätig sind.

Die nationale Frachtschiffsrichtlinie  beinhaltet in der Anlage 5 im Vergleich zum "Internationalen Code für die Sicherheit von Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen" (HSC-Code) einige Erleichterungen. Diese besonderen Regelungen sind möglich, weil sich Offshore-Servicefahrzeuge im Bereich von Offshore-Windparks bewegen, für die spezielle Schutz- und Sicherheitskonzepte gelten. Durch die Errichter- und Wohnschiffe oder andere Schiffe in den Windparks stehen immer genügend Rettungskapazitäten zur Verfügung. Außerdem ist das Offshore-Servicepersonal speziell für Notfälle trainiert worden.

Traditionell gebaute Offshore-Servicefahrzeuge

Neben den Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen gibt es traditionell gebaute Offshore-Servicefahrzeuge. Für diese Schiffe, die mehr als zwölf Personen transportieren, findet der "Sicherheits-Code für Spezialfahrzeuge" (auf englisch: Special Purpose Ship-Code, SPS-Code) der IMO Anwendung.

Je nach Baudatum des Schiffes ist eine unterschiedliche Fassung des SPS- Codes anzuwenden:

 

Gleichwertigkeits-Bescheinigungen für Schiffe unter ausländischer Flagge

Seeschiffe unter ausländischer Flagge (auch EU-Flagge), die gewerblich innerhalb der deutschen Küstengewässer eingesetzt werden und keine internationalen SOLAS-Zeugnisse haben, benötigen eine Gleichwertigkeitsbescheinigung. Mit der Bescheinigung will der Gesetzgeber auch bei Schiffen unter ausländischer Flagge ein gleichwertiges Schutzniveau wie bei vergleichbaren Seeschiffen unter deutscher Flagge sicherstellen. Die Gleichwertigkeitsbescheinigung regelt aber nur die Schiffssicherheit, nicht das Seearbeitsrecht oder andere Rechtsgebiete.

Die Rechtsgrundlagen für die Gleichwertigkeitsbescheinigungen sind:

Die Dienststelle Schiffssicherheit stellt auf Antrag Gleichwertigkeitsbescheinigungen aus. In der Praxis werden die meisten Bescheinigungen für Offshore-Servicefahrzeuge ausgestellt.

Von den Gleichwertigkeitsbescheinigungen sind die sogenannten Kabotage-Bescheinigungen zu unterscheiden. Seekabotage ist das Recht, innerhalb der deutschen Küstengewässer Fahrgäste oder Güter auch mit Schiffen unter ausländischer Flagge zu befördern. Für Schiffe unter EU-Flagge gibt es keinerlei Kabotage-Beschränkungen. Schiffe unter Nicht-EU-Flagge benötigen dagegen nach § 2 Absatz 2 der Verordnung über die Küstenschifffahrt eine Kabotage-Bescheinigung der örtlich zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektion.

Informationen zu Gleichwertigkeitsbescheinigungen für Nicht-STCW-Befähigungszeugnisse von Seeleuten (z. B. in der Fischerei) finden Sie in unserer Rubrik Ausbildung und Befähigung.