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Fallbeispiele

Aus der Praxis für die Praxis

Täglich rund um die Uhr können medizinische Ratschläge, Informationen und Handlungsanweisungen beim Funkärztlichen Beratungsdienst eingeholt werden. Maritim erfahrene Fachärzte diverser Fachrichtungen stellen diese Beratung sicher. Jährlich finden mehr als 1.200 Kontakte statt. Auch in folgenden Fällen konnte mithilfe des Funkärztlichen Beratungsdienstes die Versorgung von Seeleuten an Bord sichergestellt werden:

Fallsbeispiel 1: Knochenbruch vs. Kurswechsel

Auf dem Weg von West nach Ost über den Nordatlantik erleidet ein 25-jähriger Kadett auf der Fahrt nach Bilbao eine komplette rechtsseitige Unterarmfraktur. Der Schiffseigner nimmt Kontakt mit dem MRCC in Halifax auf und wird aufgefordert, einen Kurswechsel nach Halifax vorzunehmen.Da das Schiff auf dem neuen Kurs gegen schwere See anlaufen muss, verursachen die heftigen Schläge dem Verletzten stärkste Schmerzen.

Medico Cuxhaven wird kontaktiert und nach einer geeigneten Schmerztherapie gefragt. Eine eingehende Befragung zur Verletzungsart ergibt, dass die Durchblutung der Hand ungestört ist, Nervenverletzungen ausgeschlossen werden können und der Bruch optisch regelrecht reponiert ist. Da keine akute Gefahr für den rechten Arm bestand und somit auch kein Zeitdruck für die endgültige Behandlung, empfahlen wir neben einer Schmerztherapie den ursprünglichen Kurs wieder aufzunehmen und den Patienten bei geringfügiger Deviation in Ponta Delgada auf den Azoren versorgen zu lassen.

Da nun das Schiff mit der See lief, lag es ruhiger und der Patient hatte keine Schmerzen mehr im Bruchbereich, so daß sich sogar eine medikamentöse Schmerztherapie erübrigte. Nach der Übergabe des Patienten auf den Azoren konnte das Schiff seine Fahrt ohne wesentliche Zeitverzögerung fortsetzen. Der Patient konnte ohne Folgeschäden versorgt werden und wurde seinem Schiff nach Bilbao nach geflogen. 

Auf diese Weise wurden den medizinischen Bedürfnissen des Patienten sowie den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Reederei gleichermaßen ausreichend Rechnung getragen.

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Fallbeispiel 2: Chronische Wunde statt "Verletzungswunde"

Ein Containerschiff schickte aus dem Englischen Kanal auf dem Weg über den Atlantik nach USA ein Digitalfoto einer mutmaßlichen "Verletzungswunde" eines Besatzungsmitgliedes nach Cuxhaven. Der Kapitän fragte hierbei konkret nur nach einer Hilfestellung für die adäquate Wundversorgung mittels geeignetem Verband für die geschilderte Wunde am Unterschenkel eines 40-jährigen Kiribati. 

Auf Nachfrage wurden weitere Bilder beider vollständig entkleideten Extremitäten zugestellt. 

Es stellte sich in Folge bei dem Koch des Schiffes eine chronische Systemerkrankung mit ulzerierenden Geschwüren, Stauungsdermatitis und Ödemen beider Beine heraus.

Mit einer etwa 2-stündigen Deviation wurde der Patient an der englischen Küste einer geeigneten ärztlichen Versorgung zugeführt und entsprechend von einer Weiterfahrt mit circa 5-tägiger Atlantiküberquerung abgeraten.

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