Gibt es Monsterwellen wirklich?

Lange dachte man, die Erzählungen von riesengroßen, wie aus dem Nichts auftauchenden Einzelwellen wären der Fantasie von Seeleuten zuzuschreiben: Geschichten von krachenden Kaventsmännern fesseln eben die Zuhörer.
Vor rund vierzig Jahren gelang dann erstmals der wissenschaftliche Nachweis, dass es solche Wellen wirklich gibt. 1995 wies die norwegische Offshore Plattform "Draupner" eine gigantische, fast 26 Meter hohe Einzelwelle auf der Nordsee nach.
Heute weiß man: Monsterwellen – auch Freak Waves oder Rogue Waves genannt – sind seltene, aber reale Phänomene. Oft sind solche Wellen zwischen 20 oder sogar über 30 Meter hoch – deutlich höher als die Umgebungswellen – und wirken nicht harmonisch geschwungen, sondern fast steil wie eine Wand. Dies und die Tatsache, dass sie wie aus dem Nichts auftreten, machen Monsterwellen zu einer der gefährlichsten Naturerscheinungen auf See. Sie können Schiffe schwer beschädigen oder sogar zum Sinken bringen.
Durch moderne Technik wie satellitengestützte Datenerfassung, ozeanografische Bojen oder Offshore-Plattformen sind Monsterwellen heute auch in abgelegenen Gegenden messbar. Und man weiß auch, dass sie durch physikalische Gesetzmäßigkeiten entstehen: Zum Beispiel, wenn sich Wellen zufällig mal exakt überlagern, oder wenn Wellen durch Wind und Gegenströmungen aufgestaut werden. Oft sind es verschiedene physikalische Effekte der Ozeanoberfläche, bei denen Wellen sich gegenseitig beeinflussen. Bisher ist es schwierig, die Ursachen einer Monsterwelle im Nachhinein konkret zu gewichten. Doch daran wird gearbeitet:
Die Vermessung der Ozeane geschieht immer kleinteiliger und exakter und es gibt Forschungsvorhaben, um mithilfe der gemessenen Daten und KI-Auswertung vorherzusagen, wo sich solch eine Welle aufbauen könnte. Auch wenn es bei der Vorhersage nur um wenige Minuten geht: Für die Schiffsführung macht es einen Unterschied, ob sie von einer Wasserwand komplett überrumpelt wird oder sich mental und auch real darauf vorbereiten kann.
Wer jetzt Lust auf mehr Infos zu diesem Thema bekommen hat, hier ein paar weiterführende Links:
- Abschlussbericht "Freak Waves II – Studie zum Auftreten von Extremwellen in der südlichen Nordsee"
- VDI-Verlag: KI-Tool sagt tödliche Monsterwellen voraus
- nature.com: Prediction of freak waves from buoy measurements
- University of Copenhagen: AI finds formula on how to predict monster waves
(Stand 06/2026)