9/26 - Schiffsbesetzung

Seeschiffe unter Deutscher Flagge können komplett mit Nicht-EU-Seeleuten - einschließlich Kapitän und Schiffsoffizieren - besetzt werden.

Bisher kamen als Kapitäne auf deutschflaggigen Handelsschiffen nur EU-Staatsbürger in Frage. Bei größeren Schiffen war außerdem ein EU-Schiffsoffizier vorgeschrieben.

Dieser Grundsatz bleibt zwar, aber Reedereien haben durch eine Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung nunmehr weitere Wahlmöglichkeiten:

1. Variante:

Der Kapitän oder -Schiffsoffizier aus einem Drittstaat hat ein Befähigungszeugnis (Patent) aus einem EU-Staat:

Dann reicht ein deutsches Endorsement und die Teilnahme am Kurs deutsches Seeschifffahrtsrecht.

2. Variante:

Der Kapitän oder -Schiffsoffizier aus einem Drittstaat hat ein Patent aus einem Nicht-EU-Staat:

In diesem Fall beantragt die Reederei zusätzlich bei der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr eine Genehmigung. Dafür reichen eine Mail an service@deutsche-flagge.de + drei Voraussetzungen aus:

  1. Auf dem Arbeitsmarkt ist keine EU-Kapitän oder EU-Schiffsoffizier verfügbar.
  2. Der Reeder versichert, dass er aktuell keinen Schiffsoffizier zum Kapitän befördern kann.
  3. Der Reeder richtet für jeden Kapitän oder jeden Schiffsoffizier aus Drittstaaten zwei Ausbildungsstellen ein. Bei Reedereien mit Schiffen ausschließlich unter 500 BRZ reicht eine Ausbildungsstelle. Das können sein:

- Schiffsmechaniker-Auszubildende

- Offiziersassistenten (NOA, TOA, ETOA)

- Junioroffiziere mit Seefahrtschul-Abschluss vor max. 5 Jahren

Die Genehmigung ist reedereibezogen. Sie gilt zunächst für 6 Monate. Wenn die Ausbildungsstellen eingerichtet sind, wird sie um weitere 54 Monate verlängert.

Mit der Option des flexiblen Einsatzes von qualifizierten Fachkräften aus Drittstaaten reagiert das Bundesministerium für Verkehr auf den zunehmenden Mangel an EU-Kapitänen und -Schiffsoffizieren auf dem maritimen Arbeitsmarkt. Die Flexibilisierung der Schiffsbesetzung hat einen doppelten Nutzen: Sie macht die Deutsche Flagge wettbewerbsfähiger und setzt Anreize für mehr Seefahrt-Ausbildung.

Mehr Infos unter: https://www.deutsche-flagge.de/de/besatzung/schiffsbesetzung/nationalitaetenvorgaben

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