Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr)
Dienststelle Schiffssicherheit
Brandstwiete 1
20457 Hamburg

Kay Matthias Becker
Telefon: +49 40 361 37-278
Fax: +49 40 361 37-204



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Traditionsschiffe

Nicht jedes alte Schiff ist ein Traditionsschiff

Umgangssprachlich werden unter "Traditionsschiffen" ältere Schiffe bezeichnet, die für einen Außenstehenden historisch wirken. Nach dem Schiffssicherheitsrecht sind aber längst nicht alle Schiffe, die traditionell aussehen, auch tatsächlich Traditionsschiffe. Vielmehr kommt es darauf an, dass sich Traditionsschiffe weitgehend im Originalzustand befinden oder originalgetreu nachgebaut wurden und dass sie nicht gewerblich betrieben werden. Nach deutschem Recht sind Traditionsschiffe:

  • historische Wasserfahrzeuge oder deren Nachbauten,
  • deren Betrieb ausschließlich ideellen Zwecken dient und
  • die zur maritimen Traditionspflege, zu sozialen oder vergleichbaren Zwecken eingesetzt werden und
  • deren Rumpflänge 55 Meter nicht übersteigt.

Zulassung als Traditionsschiff

Die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr ist zuständig für die Ausstellung eines Sicherheitszeugnisses für Traditionsschiffe. Sie prüft in jedem Einzelfall, ob die Kriterien für die Anerkennung als Traditionsschiff vorliegen. Die Dienststelle Schiffssicherheit kann sich bei ihrer Bewertung an dem Votum der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge e. V. (GSHW) orientieren. Die Dienststelle ist aber nicht an die Stellungnahme der GSHW gebunden.

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Schiffsbesetzung für Traditionsschiffe

Schiffsführer von Traditionsschiffen müssen über keine nautischen Befähigungszeugnisse wie in der Handelsschifffahrt verfügen. Je nach Schiffslänge und Fahrtgebiet reichen der Sportseeschiffer- und der Sporthochseeschifferschein aus. Die Besetzung von Traditionsschiffen ist in der Verordnung über den Erwerb von Sportsee- und Sporthochseeschifferscheinen und die Besetzung von Traditionsschiffen geregelt. Darin finden Sie auch detaillierte Informationen zur Regelbesatzung auf Traditionsschiffen.

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Traditionsschiffe in der Auslandsfahrt

Die Sicherheitszeugnisse der BG Verkehr für Traditionssschiffe sind nationale Zeugnisse, die von ausländischen Staaten mangels verbindlicher internationaler Vorgaben nicht anerkannt werden müssen. Zumindest für den kleinen Grenzverkehr in der Flensburger Förde gibt es eine einvernehmliche Regelung zwischen Deutschland und Dänemark: Auf der Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung (Flensburg Fjord Agreement) dürfen deutsche Traditionsschiffe auch mit mehr als 12 Fahrgästen dänische Fördehäfen anlaufen, wenn sie eine Erlaubnis der BG Verkehr haben.

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Einstufung als Traditionsschiff häufig umstritten

Immer wieder wird in der Presse von Streitereien um die Einstufung als Traditionsschiff berichtet. Der zuständigen Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr wird von Eigentümern älterer Schiffe eine zu restriktive Genehmigungspraxis vorgeworfen. Warum gibt es diese Diskussionen?

Traditionsschiffe werden gegenüber gewerblichen Fahrgastschiffen privilegiert: Auf diesen Schiffen müssen bauartbedingt nicht alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, wie sie für moderne Fahrgastschiffe gelten. Auch benötigen Kapitäne von Traditionsschiffen keine Befähigungszeugnisse, wie sie in der gewerblichen Handelsschifffahrt vorgeschrieben sind. Trotzdem werden mit Traditionsschiffen häufig viele Passagiere befördert, die genauso einen Anspruch auf Sicherheit des Schiffes haben wie auf gewerblichen Fahrgastschiffen. Es ist daher wichtig, dass die Zulassung als Traditionsschiff nur solchen Fahrzeugen zukommt, an deren Erhaltung und Präsentation in Fahrt tatsächlich ein maritim-kulturelles Interesse besteht. Alles andere wäre eine unzulässige Benachteiligung der zu regulären Bedingungen fahrenden Fahrgastschiffe. Auch für die Traditionsschifffahrt selbst ist es wichtig, dass nicht jedes alte Schiff unberechtigterweise Vorrechte genießt. Die Rechtsprechung hat die Zulassungspraxis der Dienststelle Schiffssicherheit in den letzten Jahren mehrfach bestätigt.

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