Aktuelle Nachrichten

Jedes Jahr am 25. Juni findet der internationale Tag des Seefahrers statt. Die IMO hatte diesen Aktionstag 2011 ins Leben gerufen, um die Aufmerksam der Öffentlichkeit auf die Belange der weltweit 1,2 Millionen Seeleute zu lenken und deren Arbeit zu würdigen. Auch in diesem Jahr sind alle Interessierten eingeladen, online oder auf einer der zahlreichen Präsenzveranstaltungen tief in das Thema einzutauchen. (14.06.2022)

Der Tag des Seefahrers steht dieses Jahr unter dem Motto: "Your voyage – then and now, share your journey". ("Deine Seereise – damals und heute: Teile Deine Reise").  Die IMO organisiert ihre Kampagne so wie jedes Jahr hauptsächlich in den Sozialen Medien und die Sache mit dem Teilen ist wörtlich gemeint: Unter dem Hashtag # SeafarerJourney lädt sie dazu ein, eigene Seefahrtsfotos von früher und heute hochzuladen und zu kommentieren: Was ist anders geworden? Einzelheiten zur Social Media-Kampagne gibt’s auf der Website der IMO.

Viele Seemannsmissionen planen für den 25. Juni Grillfeste oder andere gemeinsame Feiern, auch in einigen deutschen Städten finden Veranstaltungen statt. Hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang eine Konferenz in Bremerhaven: Bei der Veranstaltung "Fair übers Meer" dreht sich alles um die Arbeitsbedingungen von Seeleuten – denn die sind längst nicht überall so, wie sie sein sollten. Im Anschluss an verschiedene aufschlussreiche Vorträge wird es für alle Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sich an einer offenen Diskussion über die Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten zu beteiligen.

Der Beruf des Seefahrers – und der Seefahrerin – ist systemrelevant. Umso wichtiger, dass er für möglichst viele junge Menschen ein Traumberuf bleibt. Auch dazu soll dieser Aktionstag beitragen.

Anlässlich des „Internationalen Tags der Umwelt“ am 5. Juni 2022 fordert die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Dr. Karin Kammann-Klippstein, eine höhere Achtsamkeit für die Meere. Der „Internationale Tag der Umwelt" steht in diesem Jahr unter dem Motto „Natürlich Klima schützen: Moore, Wälder und Meere erhalten!" (04.06.2022)

Deutsche Flagge erfüllt erneut ISO-Norm

Die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind nach der DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert. Mit den Zertifikaten bescheinigt die Zertifizierungsstelle TÜV SÜD Management Service GmbH dem BSH und die Zertpunkt GmbH der Dienststelle Schiffssicherheit, dass sie jeweils eine hohe Qualität erfüllen und zur Zufriedenheit ihrer Kunden arbeiten.

Schon seit langem lassen die Dienststelle Schiffssicherheit und das BSH freiwillig ihr Qualitätsmanagement-System extern überprüfen. Die DIN EN ISO-Norm 9001 stellt bestimmte Anforderungen an die Qualität der Arbeit in den Betrieben. In einem Audit beweisen das BSH und die Dienststelle Schiffssicherheit für die Zertifizierung, dass sie unter anderem hinsichtlich Qualität und Kundenzufriedenheit auf gutem Kurs sind.

Die Weltarbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) hat in Genf acht Änderungen des internationalen Seearbeitsübereinkommens (MLC) beschlossen. Dadurch werden die Rechte der Seeleute gestärkt. Die ILO-Mitgliedsstaaten müssen die Neuerungen innerhalb von zwei Jahren in ihr nationales Recht umsetzen. (01.06.2022)

Die jetzt beschlossenen Ergänzungen der Maritime Labour Convention (MLC) durch das sogenannte Special Tripartite Commitee der ILO sind die umfangreichsten seit dem Inkrafttreten des Seeleute-Übereinkommens im Jahr 2013. An der Veranstaltung im Hybrid-Format nahmen 500 Teilnehmende teil, davon rund 100 vor Ort in Genf.

Der ILO-Sonderausschuss beschloss unter anderem folgende Neuerungen:

  • Die medizinische Versorgung von Seeleuten an Land muss jederzeit sichergestellt sein. Während der COVID-19-Pandemie hatten Hafenbehörden in einigen Staaten erkrankten Seeleute den Landgang untersagt und damit eine notwendige Behandlung bei Ärzten an Land faktisch verhindert.
  • Mit einer Änderung der MLC wird klargestellt, dass Seeleute Anspruch auf kostenloses Trinkwasser an Bord haben.
  • Seeleute sollen zukünftig Internet an Bord nutzen können. Dafür dürfen Reeder den Seeleuten nur "angemessene" Gebühren ("reasonable") in Rechnung stellen.
  • Die ILO-Mitgliedstaaten sollen die schnelle Heimschaffung von Seeleuten erleichtern – vor allem von solchen Seeleuten, die im Stich gelassen worden sind. Die Flaggenstaaten, Hafenstaaten und Seeleute-Heimatländer sollen zusammenarbeiten, um auch die Rechte derjenigen Seeleuten sicherzustellen, welche die im-Stich-gelassene Besatzungsmitglieder ersetzen.
  • Die Reedereien werden verpflichtet, allen Seeleuten ihre persönliche Schutzausrüstung in passender Größe und Zuschnitt zur Verfügung zu stellen.
  • Seeleute-Vermittlungsagenturen ("crewing agencies") müssen Seeleute über die verpflichtende Versicherung gegen finanzielle Verluste, die den Seeleuten infolge einer von dem Vermittler zu vertretenden Pflichtverletzung entstehen, informieren.
  • Es wird klargestellt, dass in Versicherungsbescheinigungen zur Absicherung des Risikos des im-Stich-Lassens von Seeleuten und der Entschädigung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten auch der "registered owner" (juristische Eigentümer) eines Seeschiffes eingetragen werden darf.
  • Es sollen zukünftig alle Todesfälle von Seeleuten statistisch erfasst werden; die Daten sind jährlich der ILO zu melden und werden in einer Datenbank veröffentlicht.

Durch ein besonderes Beschlussverfahren der MLC ist sichergestellt, dass die Änderungen innerhalb von zwei Jahren in jeweiliges nationales Recht umgesetzt werden müssen.

Mit Dr. Dirk Max Johns leitete ein Deutscher die Delegation der internationalen Reederseite; Dr. Johns war bis 2019 Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder. Für die Bundesrepublik Deutschland nahmen Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr an den Verhandlungen teil.

Die ILO hat den Text der beschlossenen Änderungen der MLC auf ihrer Website veröffentlicht (auf Englisch).

Mit der jetzt in Kraft getretenen Seelotseignungsverordnung hat das Bundesverkehrsministerium die gesundheitlichen Anforderungen für die deutschen Seelotsen neu geregelt. Die Vorgaben folgen den bewährten Regelungen zur Seediensttauglichkeit. Der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr informiert die Lotsen vor Ort über die Änderungen. (28.05.2022)

Lotsenschiff © BG Verkehr/Christian Bubenzer

Die neue Rechtsverordnung regelt sowohl die ärztlichen Untersuchungen von Seelotsen als auch das Verfahren zur Beurteilung der psychologischen Eignung von Seelotsenbewerberinnen und -bewerbern. Die 14 Paragraphen und drei Anlagen lösen die bisherige Seelotsenuntersuchungsverordnung ab, die außer Kraft getreten ist.

Seelotsen müssen sich ab sofort alle drei Jahre ärztlich untersuchen lassen; bisher brauchten jüngere Lotsen nur alle fünf Jahre zur Untersuchung zu gehen. Die Gesundheitsvorgaben für Seelotsen sind nunmehr im Basisteil die gleichen wie für Nautiker. Damit gilt jetzt auch für Seelotsen die Anlage 1 der Maritimen-Medizin-Verordnung, die eine tabellarische Auflistung von 71 typischen Krankheitsbildern enthält. Der Vorteil: Die untersuchenden Ärzte können jetzt anhand der Tabelle die gesundheitliche Eignung von Seelotsen viel differenzierter als bisher beurteilen. Diese transparenten und internationalen Beurteilungskriterien werden durch zusätzliche lotsspezifische Anforderungen wie das Dämmerungssehvermögen oder ein Belastungs-EKG ergänzt. Mit dem neuen Ergometer-Test, der das bisherige Ruhe-EKG ablöst, können die Ärzte überprüfen, ob ein Lotse fit genug ist für das Steigen der Lotsenleiter, das Abwinschen vom Hubschrauber und für das Arbeiten im Schicht- und Nachtdienst.

Durch die neuen Ausbildungswege für Lotsen werden sich zukünftig deutlich jüngere Aspiranten um den Seelotsberuf bewerben. Das macht eine Neukonzeption des psychologischen Eignungstests für Seelotsbewerber erforderlich. Der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr erarbeitet derzeit neue Testverfahren auf der Grundlage einer umfassenden Berufsanforderungsanalyse und dem daraus abgeleiteten Anforderungsprofil. Die neuen mehrtägigen Tests, die bisher unter dem landläufigen Namen "German Pilot Test" liefen, werden voraussichtlich ab dem Spätsommer in Hamburg starten. Die Anlage 2 der Seelotseignungsverordnung listet die zu untersuchenden Eignungskriterien, die Testmethoden und den Ablauf sowie die Bewertung der Ergebnisse transparent auf. Neu ist eine Eignungskommission, welche die Testergebnisse für jeden einzelnen Bewerber bewerten und abschließend feststellen wird. Die Kommission wird sich aus einem Psychologen des Seeärztlichen Dienstes und einem aktiven Lotsen zusammensetzen.

Durch die neue Verordnung können sich Seelotsinnen und Seelotsen bei deutlich mehr Ärztinnen und Ärzten untersuchen lassen als bisher, sodass sie von kürzeren Anfahrtswegen zu den Untersuchungsorten profitieren. Diese Ärzte müssen eine Zulassung für Seediensttauglichkeitsuntersuchungen haben und zusätzlich an mindestens drei Lotsberatungen teilgenommen haben. Durch diesen praktischen Teil sollen zugelassene Ärzte die typischen gesundheitlichen Anforderungen des Seelotsberufes wie zum Beispiel das Übersteigen vom Lotsentender auf das zu lotsende Schiff, das Besteigen einer Lotsenleiter und die hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit bei der nautischen Beratungstätigkeit selbst kennenlernen. Durch diese selbst gemachten Erfahrungen können die Ärzte bei späteren Seelotseignungsuntersuchungen realistisch einschätzen, ob eine zu untersuchende Person diesen Anforderungen entspricht oder nicht.

Der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr hat alle wichtigen Informationen zur neuen Seelotseignung auf seiner Website www.deutsche-flagge.de zusammengestellt. Außerdem besuchen die Fachleute des Seeärztlichen Dienstes derzeit die Lotsenbrüderschaften vor Ort und erläutern allen interessierten Lotsen die praktischen Auswirkungen der neuen Vorgaben.

Die Reederei Scandlines hat jetzt ihr unter deutscher Flagge fahrendes Fährschiff "Berlin" mit einem Rotorsegel nachgerüstet. Das Segel in Form eines rotierenden Zylinders reduziert die CO2-Emissionen und verbessert die Umweltbilanz der Hybridfähre. Der Zusatzantrieb hat sich auch auf anderen Schiffen unter deutscher Flagge bewährt. (23.05.2022)

Das Grundprinzip des Flettner-Zusatzsegels ist schon alt: Bereits 1923 ließ der deutsche Ingenieur Anton Flettner den von ihm erfundenen Segelzusatzantrieb patentieren. Der Flettner-Rotor nutzt den sogenannten Magnus-Effekt aus: Ein rotierender Zylinder, der vom Wind angeströmt wird, erzeugt aus dem Sog und den Staudruckkräften eine Kraft quer zur Strömung und sorgt damit für den umweltfreundlichen zusätzlichen Vortrieb von Schiffen.

Vor zwei Jahren rüstete die Reederei Scandlines ihr Fährschiff "Copenhagen" mit einem Flettner-Zusatzantrieb aus. Die Erfahrungen waren so positiv, dass das Unternehmen nun auch auf dem deutschflaggigen Schwesterschiff "Berlin" ein Segel installieren ließ. Der Zusatzantrieb reduziert die CO2-Emissionen nach Angaben von Scandlines um durchschnittlich vier Prozent – bei idealen Bedingungen sogar um bis zu 20 Prozent. Dabei kommt der "Berlin" ihre Fahrtroute zwischen Rostock und dem dänischen Gedser zu Gute. Auf dieser Strecke trifft der häufig wehende Westwind nahezu rechtwinklig auf den rotierenden Zylinder, der dann besonders effektiv arbeitet.

Rotorsegel Scandliens Berlin

Auf der "Berlin" kombiniert Scandlines den traditionellen Dieselantrieb mit leistungsfähigen Batterien. Die Akkus, die nach Angaben der Reederei einer Leistung von rund 180 E-Autos entsprechen, optimieren den Leistungsgrad der Dieselgeneratoren. Das Schiff ist mit zwei Dieselgeneratoren, einem Hafendiesel, zwei Hauptmaschinen und einem Energy Storage System/Batteriesystem ausgerüstet, welche auf zwei Antriebssysteme (Azipull und Propeller) wirken können. Jetzt verbessert der Flettner-Rotor die Umweltbilanz der Hybridfähre zusätzlich.

Auch auf anderen Schiffen unter deutscher Flagge setzen Reedereien den Flettner-Antrieb erfolgreich ein. Das Mehrzweckschiff "E-Ship 1", das Rotorblätter des Auricher Windkraftherstellers Enercon transportiert, fährt seit seiner Indienststellung 2010 mit vier Flettner-Rotoren. Letztes Jahr stattete die Reederei Braren ihren Mehrzweckfrachter "Annika Braren" mit einem Flettner-Rotor aus.

Mit der "Nils Holgersson" hat die Lübecker TT-Line ein neues umweltfreundliches Fährschiff für den Schiffsverkehr zwischen Deutschland und Schweden in Dienst gestellt. Das 230m lange Schiff unter deutscher Flagge wird mit Gas (LNG) betrieben und bietet auf dem Fahrzeugdeck 32 Ladestationen für Elektroautos. (04.05.2022)

Nils-Holgerson-tt-lines.jpgDie "Nils Holgersson" ist das erste Schiff der Green-Ship-Baureihe. Die auf der chinesischen Werft Nanjing Jinling gebaute RoPax-Fähre wird mit Flüssigas (Liquefied Natural Gas/LNG) betrieben, das im Vergleich zu herkömmlichen Treibstoffen erheblich sauberer ist. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr förderte den umweltfreundlichen Gasantrieb der "Nils Holgersson" im Rahmen ihres LNG-Förderprogrammes. Die Reederei TT-Line bezeichnet die "Nils Holgersson" als die umweltfreundlichste Fähre in ihrer Unternehmensgeschichte.

Die neue Fähre bietet Platz für 800 Passagiere in 239 Kabinen. Auf 4.000 Lademetern können bis zu 300 Trailer geladen werden. Das Schiff ist mit 56.138 BRZ vermessen und hat einen Tiefgang von 6,70m. Die Geschwindigkeit beträgt bis zu 22 Knoten.

Eine Besonderheit an Bord sind die 32 Ladestationen für Elektroautos. PKW-Fahrer können so ihre E-Autos während der Überfahrt aufladen. Dafür stehen zwei verschiedene Ladesäulen-Typen zur Verfügung. Das Laden eines E-Autos kann online vor der Überfahrt dazugebucht werden.

Nils-Holgerson-1-tt-lines.jpgDas Schiff ist nach der Hauptfigur "Nils Holgersson" aus einer Kindergeschichte der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf benannt.

Die Fähre wird unter anderem auf der Route Travemünde-Trelleborg eingesetzt. Der Heimathafen des deutschflaggigen Schiffes ist Rostock.

Mehr Informationen über das Schiff und seine Technik ist auf der Website der Reederei TT-Line zu finden.

Deutsche Flagge unterstützt ukrainische Seeleute und hat Verfahren für die Ausstellung von Anerkennungsvermerken angepasst

Die deutsche Flaggenstaatverwaltung unterstützt Seeleute und Reedereien im Zusammenhang mit den Folgen des Krieges in der Ukraine und hat das Verfahren für die Ausstellung von  Anerkennungsvermerken für ukrainische Befähigungszeugnisse, Seefunkzeugnisse und  Befähigungsnachweise für den Dienst auf Tankschiffen an die aktuelle Lage angepasst.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Anerkennung ausländischer Bescheinigungen.

Schiffstagebücher auf Seeschiffen unter deutscher Flagge können auch elektronisch geführt werden. Die BG Verkehr hat die Software zweier Hersteller für ein E-Seetagebuch zugelassen. Auch digitale MARPOL-Tagebücher können genehmigt werden. (07.04.2022)

Elektronisches Schiffstagebuch zugelassen © MARSIGDie Digitalisierung auf Seeschiffen nimmt immer mehr zu. Dazu gehören auch Tagebücher auf Seeschiffen. Wurden die umgangssprachlich auch Logbücher genannten Aufzeichnungen bisher traditionell in Papierform geführt, wächst auch hier die Nachfrage nach digitalen Angeboten.

Die Deutsche Flagge reagiert auf diesen Trend und hat die Software von zwei Herstellern für ein elektronisches Seetagebuch zugelassen. Es handelt sich um das elektronische Schiffstagebuch "Anschütz eLog" des Kieler Unternehmens Raytheon Anschütz GmbH (zugelassen seit dem 8.2.2021) sowie um das Schiffs- und Maschinentagebuch "Searecs" der Rostocker Firma MARSIG (zugelassen seit dem 2.2.2022)..Reedereien können diese Software an Bord ihrer deutschflaggigen Seeschiffe einsetzen und damit das bisherige Papier-Seetagebuch ersetzen.

Die Deutsche Flagge setzt bei ihrer Zulassung bewusst auf die beiden internationalen technischen Vorgaben ISO 21745 und die IMO-Entschließung MEPC.312(74) - es gibt also keine deutschen Sonderstandards. Die Zulassung erfolgt durch die BG Verkehr/Dienststelle Schiffssicherheit, die technische Prüfung übernimmt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) oder eine anerkannte Klassifikationsgesellschaft.

Mit dem Zulassungsverfahren ist die gesamte Bandbreite von Tagebüchern auch in digitaler Form möglich:

-    Schiffstagebücher mit dem Brückenbuch als Nebenbuch,

-    Maschinentagebücher mit dem Peil- und dem Manöverbuch als Nebenbücher,

-    MARPOL-Tagebücher im Umweltschutzbereich mit dem Öl-, dem Ladungs- und dem Mülltagebuch als die wichtigsten Tagebücher und

-    medizinische Tagebücher (Krankentagebuch, Betäubungsmittelbuch).

Zusätzlich zu der produktbezogenen Zulassung können Reedereien wunschgemäß auch eine schiffsbezogene Zulassung von MARPOL-Tagebüchern bei der BG Verkehr beantragen. Eine solche zusätzliche Zulassung sieht die Entschließung MEPC.312(74) des Meeresumweltausschusses der IMO ausdrücklich vor. Die BG Verkehr stellt auf Antrag eine Zulassung für das jeweilige Schiff aus – natürlich als E-Zeugnis.

Die BG Verkehr hat weitere Informationen zu ihrem Zulassungsverfahren für elektronische Tagebücher in einer Information zusammengefasst. Außerdem gibt es hier eine Auflistung der bisher zugelassenen elektronischen Tagebücher

Auch kleinere gewerbsmäßig genutzte Schiffe unter deutscher Flagge benötigen ein Schiffsbesatzungszeugnis. Bis zum letzten Jahr war das noch anders und nur Fahrzeuge über 8m brauchten ein solches Zeugnis. Der Zeugnispool der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr stellt Schiffsbesatzungszeugnisse aus – in digitaler Form. (22.3.2022)

C.BubenzerAm 23. Juni 2021 hat das Bundesverkehrsministerium die Schiffsbesetzungsverordnung geändert; die Änderung ist im Bundesgesetzblatt 2021 Teil I auf Seite 1849 veröffentlicht worden. Seitdem benötigen auch kleinere Schiffe und Boote unter 8m Länge ein Schiffsbesatzungszeugnis. In der Praxis betrifft das vor allem im Seebereich eingesetzte Wassertaxis, kleine Vermessungsboote und gewerbsmäßig genutzte Sportboote. Die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr stellt Schiffsbesatzungszeugnisse auf Antrag standardmäßig in elektronischer Form aus.

Offene und teilgedeckte Fischereifahrzeuge in der sogenannten "eingeschränkten passiven Küstenfischerei" (v. a. Stellnetz-Fischerei) benötigen dagegen kein Schiffsbesatzungszeugnis. Das ist in den § 8 Absatz 1 Satz 3 und 9b der Schiffsbesetzungsverordnung geregelt. Für diese kleinen Fischereiboote muss der Schiffsführer einen Sportbootführerschein See sowie ein gültiges Seediensttauglichkeitszeugnis für den Decksdienst haben. Auch für Sportboote, die ohne Bootsführer oder einer Besatzung ("bareboat") vermietet werden, sowie für Sportboote im Binnenbereich ist kein Schiffsbesatzungszeugnis erforderlich.

Das Bundesverkehrsministerium hatte die Schiffsbesetzungsverordnung im letzten Sommer aufgrund einer Sicherheitsempfehlung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) geändert. Die BSU hatte in ihrem Untersuchungsbericht 258/18 zum Seeunfall des Vermessungsbootes "Geo Profiler" empfohlen, auch für gewerbliche Arbeitsboote unter 8m Länge ein Schiffsbesatzungszeugnis vorzuschreiben.

Parallel zur Schiffsbesetzungsverordnung hatte das Bundesverkehrsministerium im letzten Jahr auch die Seeleute-Befähigungsverordnung geändert. Das neues Befähigungszeugnis zum Kapitän NK 100 für den Dienst auf Schiffen bis 100 BRZ ist speziell auf kleine gewerbliche Schiffe unter deutscher Flagge ausgerichtet. Für die Besetzung gewerbsmäßig genutzter Sportboote gilt unverändert die Anlage 4 der See-Sportbootverordnung; ein NK-100-Befähigungszeugnis ist für diese Art von Booten nicht erforderlich.

Für die Kontrolle der Schiffsbesetzung ist die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr zuständig. Bei kleineren Schiffen erfolgt das üblicherweise im Rahmen der alle drei Jahre stattfindenden Überprüfungen nach dem Seearbeitsgesetz (soweit es sich nicht um gewerbsmäßig genutzte Sportboote unter 24m Länge nach § 1 Absatz 1 Satz 2 Seearbeitsgesetz handelt). Fehlt auf einem Schiff das erforderliche Schiffsbesatzungszeugnis oder ist das Schiff unterbesetzt, ist das eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld belegt werden. Außerdem kann die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr dann das Auslaufen oder die Weiterfahrt des Schiffes verbieten.

Weitere Details zum Thema können Sie der Information der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr entnehmen. Für Fragen zur Antragstellung und Erteilung der Schiffsbesatzungszeugnisse wenden Sie sich bitte an den Zeugnispool der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr, E-Mail: certificates@bg-verkehr.de, Tel.: +49 40 361 37 229. Informationen zur seearbeitsrechtlichen Überprüfung von Schiffen gibt es beim Referat ISM/ILO der Dienststelle Schiffssicherheit, E-Mail: ism-mlc@bg-verkehr.de, Tel.:  +49 40 361 37 213.

FAQ: Deutsche Flagge zum Coronavirus

Auch wir als Deutsche Flagge tragen Verantwortung, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Wir passen daher unsere Verfahren für Schiffszeugnisse und Besichtigungen laufend an die jeweils aktuelle Lage an. Für Seeleute gibt es Erleichterungen bei Befähigungszeugnissen und -nachweisen. Die wichtigsten Informationen dazu finden Sie in unserem offiziellen Statement der Deutschen Flagge.

In unserer FAQ "Corona Info" beantworten wir alle wichtigen Fragen zu den Folgen von COVID-19 für Seeleute und Reedereien. Wenn Sie weitere Fragen haben, mailen Sie uns gerne unter Feedback.

Gültigkeit von MED-Zertifikaten nach dem Brexit

Das Vereinigte Königreich hat mit Ablauf des 31. Januars 2020 die Europäische Union verlassen und ist nunmehr Drittstaat. Aufgrund eines vereinbarten Übergangszeitraums ergaben sich vorerst bis zum 31. Dezember 2020 keine produktrechtlichen Veränderungen für MED-Schiffsausrüstung.

Seit dem 1. Januar 2021 können Konformitätsbewertungsverfahren gemäß der MED jedoch nicht mehr durch britische Konformitätsbewertungsstellen durchgeführt werden. Zertifizierungsurkunden für MED-Schiffsausrüstung dürfen entsprechend durch sie seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr ausgestellt werden.

Auch können bereits vor dem 1. Januar 2021 ausgestellte Zertifizierungsurkunden von nunmehr ehemaligen britischen Notifizierten Stellen seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr durch den Hersteller von MED-Schiffsausrüstung im Rahmen der MED-Konformitätsbewertung herangezogen werden. Ein weiteres Anbringen des Steuerrad-Kennzeichens auf MED-Schiffsausrüstung ist auf Grundlage dieser Urkunden seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr möglich!

Hier finden Sie weitere Informationen zu folgenden Themen.

  • MED Schiffsausrüstung
  • Schiffsausrüstung im Vereinigten Königreich
  • Austrittsabkommen zwischen EU und Vereinigtem Königreich

Lange galt Asbest als Wundermittel: Das natürliche Mineral ist feuerfest, isolierend, leicht zu verarbeiten und zudem noch günstig. Doch Asbest macht krank und kann Krebs verursachen. Die BG Verkehr hat nun zusammengefasst, was Reedereien bei einer Einflaggung eines asbestbelasteten Schiffes beachten müssen.

Wer in der Vergangenheit mit Asbest arbeitete, atmete häufig den Staub und damit die feinen Asbestfasern ein. Die mögliche Folge: bösartige Krebstumore oder Veränderungen des Lungenfells. Die Berufsgenossenschaften erkennen die berufsbedingte Staublungenerkrankung durch Asbest, die sogenannte Asbestose, als Berufskrankheit an. Asbest ist bei den tödlich verlaufenden Berufskrankheiten die häufigste Todesursache. Zwischen der Arbeit mit Asbest und dem Ausbruch der Krankheit können mehrere Jahrzehnte liegen. Im Mittel liegt die Latenzzeit bei 38 Jahren.

Seit 1993 darf Asbest in Deutschland nicht mehr hergestellt oder verwendet werden, auf europäischer Ebene seit 2005. Ab 2019 müssen alle Schiffe unter einer EU-Flagge ab 500 BRZ über ein Gefahrstoffverzeichnis verfügen, in dem auch Asbest erfasst sein muss. Mit dieser Verpflichtung aus der Verordnung EU/1257/2013 will die EU die Vorgaben aus der Schiffsrecyling-Konvention („Hong Kong Convention“) in ihr Recht umsetzen.

Weltweit gibt es dagegen kein Asbest-Verbot. Auf älteren Seeschiffen kann daher noch Asbest vorhanden sein. Flaggt ein solches Schiff unter die deutsche Flagge ein, muss der Reeder unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, ein Asbest-Kastaster erstellen und für Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen für seine Seeleute sorgen. Der Geschäftsbereich Prävention der BG Verkehr hat eine „Zusammenstellung der Pflichten eines Reeders bei der Einflaggung eines asbestbelasteten Schiffes“ erstellt.

Ergänzend zu dieser Zusammenstellung müssen Schiffsbetreiber auch die Vorschriften des internationalen SOLAS-Übereinkommens zum Verbot von Asbest auf Seeschiffen beachten. Das Rundschreiben MSC.1/Circ1374 "Informationen zum Verbot der Verwendung von Asbest an Bord von Schiffen" des Schiffssicherheitsausschusses der IMO gibt genauere Vorgaben und Informationen zum Thema Asbest auf Seeschiffen:

  1. Auf Schiffen, welche vor dem 01.07.2002 gebaut wurden, dürfen asbesthaltige Materialien noch verbaut und zugelassen sein, sofern von diesen Materialien keine Gefährdung für die Besatzung an Bord ausgeht.
  2. Auf Schiffen, welche nach dem 01.07.2002 und vor dem 01.01.2011 gebaut wurden, darf der Einbau von asbesthaltige Materialien noch in Ausnahmefällen genehmigt worden sein.
  3. Auf Schiffen, welche nach dem 01.01.2011 gebaut wurden, dürfen asbesthaltige Materialien nicht mehr verbaut und neu eingebaut werden (vgl.  Kapitel II-1, Regel 3-5 des SOLAS-Übereinkommens).

Das Rundschreiben ist im Verkehrsblatt Heft 19/2013 vom 23.09.2013 in deutscher Sprache veröffentlicht worden und ist für Schiffe unter deutscher Flagge verbindlich.

Auf manchen Seeschiffen finden Fachleute bei späteren Untersuchungen Asbest - zum Beispiel beim Erstellen eines Gefahrstoffinventars (IHM) nach der der EU-Verordnung 1257/2013 und des Hongkong-Übereinkommens für das Recycling von Schiffen. In diesen Fällen gilt für eine Asbestsanierung an Bord oder den Austausch des gesamten asbesthaltigen Materials eine Übergangszeit von maximal drei Jahren (vgl. Rundschreiben MSC.1/Circ1374). Diese Übergangszeit von maximal drei Jahren kann auch dann nicht verlängert werden, wenn:

  1. das Schiff zwischenzeitlich seine Flagge wechselt oder
  2. bei einem Schiff unter ausländischer Flagge bereits vor drei Jahren Asbest festgestellt wurde und das Schiff jetzt unter die deutsche Flagge gebracht werden soll.

Für Rückfragen zu diesen Vorgaben stehen die Experten des Referates Maschine der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr gerne bereit (e-mail: maschine@bg-verkehr.de oder Dipl.-Ing. Holger Steinbock unter der Tel.: +49 40 361 37-217).