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Seeleute führen regelmäßig Sicherheitsübungen durch, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt. Dazu gehört auch der geprobte Einsatz des Freifallrettungsboots. Eine Unfallanalyse der Experten der BG Verkehr zeigt nun: Wenn es bei solch standardisierten Abläufen zu Unfällen kommt, liegt es oft an fehlender Konzentration und Kommunikation. (19.10.2021)

Freifall-Rettungsboot braren_tamayoAuch ganz ohne Seenot und die damit verbundene Hektik kann beim Üben eines Rettungsfalls viel schiefgehen. Ein paar Beispiele aus der Praxis:

In einem Fall stolperte ein Besatzungsmitglied am Türsüll und fiel mit dem Oberkörper voran ins Rettungsboot. In einem anderen Fall schätzte ein Windenbediener den Abstand zum Wasser falsch ein. Das Boot krachte so heftig auf die Wasseroberfläche, dass sich ein Insasse am Rücken verletzte. Bei einer weiteren Übung befand sich die Achterleine in der Falllinie des Boots und geriet in Schwingung. Die Besatzung hatte Glück, dass das Boot nicht aus der Flugbahn gelenkt wurde und unkontrolliert aufschlug. Last but not least: Ein Rettungsbootführer steuerte nach der Übung mit so viel Tempo zwischen die Heißblöcke, dass der überraschte Kollege sich den Kopf heftig am Block stieß.

Schon die wenigen Beispiele zeigen: Unfallgefahren lauern auch in Situationen, die jeder Seemann in der Ausbildung gelernt und danach schon mehrfach durchgespielt hat. In Situationen, die man routiniert zu beherrschen glaubt und denen deshalb oft nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mehr Konzentration und bessere Kommunikation, das würde viele Unfälle vermeiden helfen.

Natürlich ist bei Rettungsbootmanövern, in denen Boote aus großer Höhe zu Wasser gelassen werden, auch eine funktionierende Technik überlebenswichtig. 2006 war es auf dem TMS "Oliver Jacob" vor der Küste von Kamerun und 2007 auf dem MS "Forest-1" in Emden zu zwei fatalen Unfällen gekommen, weil Heißhaken bei Übungen zu früh oder falsch auslösten. Im ersten Fall waren Materialabnutzung und ein fehlerhaft montierter Bowdenzug mitursächlich für den Absturz des Rettungsboots aus 15 Metern Höhe. Im zweiten Fall war eine mangelhafte oder gar nicht durchgeführte Wartung des Heißhakensystems durch die Besatzung die Hauptursache dafür, dass ein Bedienungsfehler am Unfalltag die marode Technik schließlich überlastete und zum Absturz führte.

Weil die Wartung von Rettungsbooten, Winden und Aussetzvorrichtungen so wichtig ist, verpflichtet die geltende MSC-Entschließung 402(96) gleich auf drei Ebenen dazu:
Wöchentlich und monatlich muss die Schiffsbesatzung nach den Wartungshandbüchern routinemäßige Kontrollen und Instanthaltungen vornehmen und dokumentieren.
Jährlich muss zertifiziertes Personal des Herstellers oder eines autorisierten Dienstleisters Funktionsprüfungen durchführen sowie eine detaillierte Untersuchung der Systeme vornehmen.
Und alle fünf Jahre erfolgt eine noch aufwändigere Untersuchung samt Überholung und Überlastfunktionsprüfung, in der das System mechanisch an seine Grenzen gebracht wird. All das natürlich ebenfalls genauestens instruiert und dokumentiert.

Da offizielle Kontrollen durch zertifiziertes Personal nur einmal im Jahr stattfinden, ist es umso wichtiger, dass Seeleute und leitende Offiziere die wöchentliche und monatliche Kontrollpflicht ernst nehmen – und lieber einmal mehr Meldung machen, wenn sie den Eindruck haben, dass irgendetwas seltsam aussieht.

Was für die Rettungsbootübungen gilt, ist übrigens auch für alle anderen Situationen an Bord wichtig - gerade jetzt im Winter, gerade bei Kälte und Dunkelheit. Nämlich: auch bei Routinearbeiten aufmerksam bleiben! Ist der Boden glitschig? Liegen Stolperfallen herum? Habe ich mich klar genug abgesprochen oder überrumpele ich meine Kollegen gerade mit irgendwas? Denn selbst wenn man Handgriffe schon hundertmal ausgeführt hat: Irgendwas kann immer sein. Auch die Personen aus den obigen Beispielen waren alles erfahrene Seeleute.

Das Schiffsregister des Amtsgerichts Hamburg hat als erstes Schiffsregister Deutschlands seine Anwendungen digitalisiert. Die neuen Verfahren sind nutzerfreundlich, zeitsparend, unbürokratisch. Beim eGovernment-Wettbewerb 2021 wurde diese Leistung jetzt gewürdigt. (08.10.2021)

Der im Jahr 2000 aus der Taufe gehobene eGovernment-Wettbewerb zeichnet richtungweisende Digitalisierungsprojekte in der öffentlichen Verwaltung aus. In diesem Jahr fand er zum 20. Mal statt, Schirmherr war Kanzleramtschef Helge Braun. Bei der Veranstaltung am 29. September wurden Preise in sechs Kategorien sowie ein Publikumspreis vergeben.

Das Digitale Schiffsregister der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz Hamburg (BJV) schaffte es bei der Preisverleihung gleich zweimal aufs Treppchen:
In der Kategorie "Bestes Digitalisierungsprojekt in Bund, Ländern und Kommunen" setzte es sich gegen mehr als 70 Konkurrenten durch und kam auf den 2. Platz. (1. Platz: Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg). Beim Publikumspreis erreichte es den 3. Platz.

Das Amtsgericht Hamburg führt mit rund 6.200 Einträgen das größte Schiffsregister Deutschlands, etwa zwei Drittel der Einträge sind Seeschiffe. Gerade in der weltweit agierenden Seeschifffahrt mit den unterschiedlichen Zeitzonen hatten sich feste Öffnungszeiten und Papieranträge als unzweckmäßig, zeitraubend und für die Reedereien daher auch teuer herausgestellt. 2018 wurde deshalb das Digitale Schiffsregister als IT-Projekt ins Leben gerufen. In die Projektentwicklung hin zu einer modernen Webanwendung wurden Reedereien, Banken, Anwälte, Notarinnen sowie die Nutzer eng eingebunden. Und es ging zügig voran: Seit dem Sommer 2020 werden Registerausdrucke und Schiffspapiere in Hamburg komplett elektronisch und automatisiert erzeugt. Von überall auf der Welt können jetzt Online-Anträge eingereicht werden. Auch eine Akteneinsicht ist am eigenen Computer möglich, niemand braucht dafür mehr vor Ort zu erscheinen.

Die BJV Hamburg konnte mit dem Digitalen Schiffsregister nicht nur die Jury überzeugen. „Die Digitalisierung des Hamburger Schiffsregisters hat eine Leuchtturmfunktion in der deutschen Justiz eingenommen", erklärt Anna Gallina, Hamburger Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz. Und sie gibt Beispiele: „Bremen hat das Hamburger System bereits übernommen, Berlin und Brandenburg übertragen ihre Register nach Hamburg."

Mit der Digitalisierung geht die Deutsche Flagge einen wichtigen Schritt hin zu noch mehr Kundenservice. Die Auszeichnungen beim eGovernment-Wettbewerb 2021 bestätigen diesen Weg .

Auf dem 15. Bremer Schifffahrtskongress vergab die Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt e. V. (BBS) Auszeichnungen für die beste Lehrkraft und den besten Ausbilder einer Fachschule oder berufsbildenden Schule im maritimen Bereich. Die Nominierungen kamen von Schülern, Schülerinnen und Auszubildenden. (06.10.2021)

Wessen Name wird am häufigsten genannt, wer wird als "Exzellenter Ausbilder" oder "Exzellente Lehrkraft" geehrt? Bis zum 10. September konnten die zukünftigen Leistungsträger der maritimen Branche online ihre Stimme abgeben. Sie brachten die Namen von vielen großartigen Lehrkräften und Ausbildungsverantwortlichen ins Spiel. Die Entscheidung wurde auf dem Kongress am 28. September verkündet – und sie fiel denkbar knapp aus:

 Die Ehrung für herausragende Leistungen in der Ausbildung zum Schiffsmechaniker oder zur Schiffsmechanikerin ging an den Ausbilder Steffen Nöckel von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „Steffen Nöckel engagiert sich seit fast 20 Jahren in der Ausbildung der Schiffsmechaniker,“ lobte Jens Köhler, Stellvertretender Vorsitzender der Bundesfachgruppe Maritime Wirtschaft von ver.di, die Verdienste des Preisträgers. „Der Geehrte unterstützt seine Auszubildenden mit großem persönlichen Engagement und zeigt sich dabei hochmotiviert.“

Die in diesem Jahr erstmals vergebene Auszeichnung für exzellente Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen und Fachschulen in der Seefahrt ging an Oliver Baum von der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule in Travemünde. Der Vorsitzende der BBS, Erik Hirsch, hatte Auszubildende und Kollegen zu Oliver Baum befragt. „Sie bezeichneten ihn als einen super engagierten Lehrer mit einem unfassbaren Fach- und Allgemeinwissen sowie einer unglaublichen Motivation. Zusätzlich besitzt er die Gabe, den Spaß am Lernen an die Schüler weiterzugeben.“ Als "Exzellente Lehrkraft" gebe Oliver Baum also in vielfacher Hinsicht ein Vorbild für die Schüler und seinen Beruf ab und lebe diese Vorbildfunktion auch tagtäglich.

Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Wissenschaft und Häfen der Freien Hansestadt Bremen, betonte in ihrer Festrede zur Preisvergabe, wie wichtig exzellentes Lehrpersonal für junge Menschen sei: „Kompetenz, Engagement und Leidenschaft sind die Schlüssel, um das seemännische Know-how an junge Menschen weiterzugeben, ihre Persönlichkeit und Verantwortungsbereitschaft zu entwickeln und die maritimen Fachkräfte von morgen auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten."

Die Senatorin äußerte sich erfreut darüber, dass die BBS mit der Preisverleihung die hohe Qualität und Attraktivität der Ausbildung in der Seeschifffahrt sichtbar mache. Abschließend verwies sie auf das vom Maritimen Bündnis geschnürte Förderpaket, das Reedereien bei der Ausbildung unterstützt. Es werde noch nicht genügend ausgeschöpft, appellierte sie, „da geht mehr!"

Die Zukunft der Schifffahrt ist nachhaltig und autonom. Hoch automatisierte, ferngesteuerte und vollständig autonom fahrende Schiffe sollen in Zukunft helfen, die Sicherheit auf See zu verbessern und die Schifffahrt nachhaltiger zu gestalten. Das stellt auch Besatzungen der Seeschiffe vor neue Herausforderungen. (28.9.2021)

„Unterwasserreinigung“ war das diesjährige Schwerpunktthema des dritten Runden Tischs Biofouling am 03.09.2021. Mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Behörden, Politik, Industrie, Klassifikationsgesellschaften und Forschung nahmen auf gemeinsame Einladung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und des Verbands Deutscher Reeder (VDR) virtuell teil. Im vergangenen Jahr hatten rund 40 Personen teilgenommen. (24.9.2021)

Als Teil der Bordapotheke ist das Malaria-Merkblatt fester Bestandteil der medizinischen Ausrüstung an Bord. Besonders für Fahrten in Tropengebiete sind die Informationen darin wichtig, um sich präventiv zu schützen, die Symptome zu erkennen und die Berufskrankheit richtig zu melden. (22.9.2021)

Malaria ist eine gefährliche Infektionskrankheit bei Reisen in Risikogebiete. Wird sie rechtzeitig erkannt, ist sie heilbar. Unbehandelt können einige Malariaformen schwere Organkomplikationen verursachen und auch zum Tode führen.

Der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr hat alle wichtigen Informationen über die Krankheit und ihre Vorbeugung in dem neuen Merkblatt aktualisiert. Es gibt außerdem detaillierte Auskunft darüber, wie die Malariaerkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann.

Malaria-Karte groß

    Im Vergleich zur Vorversion enthält das Malaria-Merkblatt der BG Verkehr vor allem zwei Neuerungen:

    1. Die Karte mit den Gebieten, in denen ein hohes Risiko einer Malaria-Übertragung besteht, wurde aktualisiert und
    2. Informationen zum neuen Malaria-Schnelltest, der auch neuer Bestandteil der Bordapotheke ist. Der Malaria Schnelltest dient als Hilfestellung bei der Abgrenzung von Malaria zu anderen (Infektions-)Krankheiten. Ein negatives Ergebnis schließt aber nicht zwangsläufig eine Malaria aus, da Schnelltests eine höhere Fehlerquote haben. 

    Das Malaria-Merkblatt als Broschüre in Papierform können Sie kostenlos über Herrn Meixner Tel.: +49 40 36 137 - 236 oder E-Mail: klaus.meixner@bg-verkehr.de beziehen.

    Bitte beachten Sie, dass das alte Merkblatt spätestens bei der nächsten jährlichen Kontrolle der Bordapotheke nach § 109 Absatz 3 Seearbeitsgesetz zu ersetzen ist.

    Weitere Informationen zur medizinischen Ausstattung auf Schiffen finden Sie in unserer Rubrik "Maritime Medizin".

    Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hat ihren Untersuchungsbericht zum tödlichen Absturz eines Seemanns im Laderaum des Containerschiffs "Sajir" Ende 2019 vorgelegt. Die Unfallermittler schlagen eine Reihe von Verbesserungen vor – und loben die medizinische Ausstattung und Versorgung unter deutscher Flagge. (17.9.2021)

    Medizinische Versorgungstasche © Christian BubenzerDie Fachleute der BSU beschreiben in ihrem 72-seitigen Bericht detailliert den Unfallhergang und die Ergebnisse ihrer Untersuchung und leiten daraus ihre Schlussfolgerungen und Sicherheitsempfehlungen ab. Mit den Empfehlungen wollen die Ermittler unter anderem vergleichbare Gefährdungen auf anderen Schiffen reduzieren, die gemachten Erfahrungen mit der medizinischen Ausstattung unter deutscher Flagge verbreiten und auf die Hilfsangebote für Seeleute nach traumatisierenden Ereignissen hinweisen.

    Der Anlass für die umfangreiche Unfalluntersuchung war der Tod eines philippinischen Seemanns am 19. Dezember 2019 auf dem deutschflaggigen Containerschiff "Sajir" (mittlerweile umbenannt in "Brussels Express"). An diesem Tag hatte das knapp 370m lange Schiff auf der Reede vor dem chinesischen Hafen Ningbo gelegen. Der 41-jährige Bootsmann war zur Kontrolle der leeren Laderäume durch ein Mannloch auf die Oberseite einer Umhausung des Maschinenraums im Ladebereich gestiegen. Diese knapp acht Meter hohe Umhausung war an den Rändern nicht gegen Absturz gesichert. In der Dunkelheit des Laderaums erkannte der Seemann die Gefahr nicht und stürzte von der Umhausung knapp acht Meter in die Tiefe.

    Die Besatzung leistete sofort Erste Hilfe, transportierte den Schwerverletzten unter schwierigen Bedingungen in das Bordhospital und sorgte mit Unterstützung des funkärztlichen Beratungsdienstes Cuxhaven für die medizinische Notfallversorgung. Die behandelnden Offiziere setzten den halbautomatisierten Defibrillator ein, als 3,5 Stunden nach dem Unfall der Pulsschlag des Seemanns aussetzte. Dennoch erlag der Seemann seinen schweren Verletzungen. Der sofort nach dem Unfall per Funk angeforderte Notarzt traf erst eine Stunde nach Feststellung des Tods des Seemanns an Bord ein, obwohl die "Sajir" kurz nach dem Unfall die Reede verlassen und in Richtung Hafen gefahren war.

    Die BSU untersuchte den Unfall vor allem unter den Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes (u. a. zu Absturzgefahren in Laderäumen), zur Schiffsbesetzung (u. a. zur Kommunikationskultur) und zum Notfallmanagement (u. a. medizinische Notfallversorgung an Bord, Unterstützung von Seeleuten nach traumatisierenden Ereignissen). Die wichtigste Verbesserung des Arbeitsschutzes: Um derartige Unfälle künftig zu verhindern, sehen die angepassten Sicherheitsempfehlungen der BSU die Ausleuchtung und deutliche Kennzeichnung solcher Gefahrstellen vor. Bisher gab es hierzu keine konkreten Vorgaben.

    Hinsichtlich des Notfallmanagements betont die BSU die Vorteile der medizinischen Ausstattung und Versorgung unter deutscher Flagge und empfiehlt diesen hohen Standard auch für Schiffe anderer Flaggen. Zu dem aufeinander abgestimmten System der medizinischen Versorgung gehört die standardisierte Bordapotheke mit festgelegtem Stauplan und den Rettungstragen, die Unterstützung durch den funkärztlichen Beratungsdienst (TMAS) Cuxhaven, die medizinische Erst- und Wiederholungsausbildung von Kapitänen und Schiffsoffizieren und das "Medizinische Handbuch See". Die BSU stellt dazu fest: "Der Besatzung kam die gute medizinische Ausstattung des Schiffshospitals, die medizinische Ausbildung des Kapitäns und der nautischen Schiffsoffiziere sowie die medizinische Beratung durch TMAS Germany zu Gute. Insbesondere der Defibrillator erleichterte den im Schiffshospital handelnden Offizieren die medizinische Notfallversorgung."  

    Zum Notfallmanagement gehört auch die richtige Nachsorge bei Seeleuten nach solchen tödlichen Unfällen an Bord. In Ihrem Bericht weist die BSU auf die Unterstützung durch die Trauma-Lotsen der BG Verkehr sowie auf die zentrale Anlaufstelle der Deutschen Seemannsmission für Psychosoziale Notfallversorgung von Seeleuten hin. Die Unfallermittler schlagen in ihren Sicherheitsempfehlungen auch in diesem Bereich Verbesserungsmöglichkeiten vor.

    Der gesamte Untersuchungsbericht einschließlich der Sicherheitsempfehlungen ist auf der Website der BSU herunterladbar

    Die Seeleute stehen im Zentrum des diesjährigen Weltschifffahrtstages der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO am 30. September 2021, denn sie sind entscheidend für die Zukunft der Schifffahrt. (15.9.2021)

    WMD-Logo 2021Während der Pandemie ist das Schicksal der Seeleute zu einem Kernthema im Schifffahrtssektor geworden: die Aufrechterhaltung der Lieferketten, die Crew-Wechsel-Krise, der Status der Seeleute als systemrelevant und das Impfangebot für Seeleute. Um ihren Einsatz und ihre Bedeutung nicht nur während der Pandemie zu würdigen, stellt die IMO die Seeleute in den Mittelpunkt des Weltschifffahrtstags 2021.

    Das Human Element (Faktor Mensch) spielt bei den Entwicklungen in maritimer Technologie und Meeresumweltschutz eine wichtige Rolle. Das Human Element ist gleichzeitig eine Herausforderung und eine Chance, Digitalisierung und Automatisierung erfolgreich umzusetzen, indem die Seeleute mit Schulungen und Ausbildungen den sicheren Umgang erlernen, so Kitack Lim, der Generalsekretär der IMO. Deshalb knüpft die IMO das Thema "Seeleute als Zukunft der Schifffahrt" auch an die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, insbesondere an:

    • Ziel 4: "Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung",
    • Ziel 5: "Geschlechtergleichheit",
    • Ziel 8: "Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum" und
    • Ziel 9: "Industrie, Innovation und Infrastruktur".

    Der Fokus des Weltschifffahrtstages 2021 auf die Seeleute spiegelt sich auch in verschiedenen Aktionen wider. Auf der Website der IMO kommen Seeleute verschiedenster Nationalitäten und Funktionen an Bord zu den aktuellen Themen der Schifffahrt zu Wort. In Interviews, Videos und Reden bei den Diskussionsrunden des virtuell stattfindenden Hauptevents erfahren wir, wie Seeleute ihre aktuelle Situation betrachten und wie sie sich die Zukunft der Schifffahrt vorstellen. Dabei wird klar: In der Schifffahrt hat sich in den Bereichen Diversität, Umweltschutz und Digitalisierung viel getan. Seeleute stellen sich auf die kommenden Veränderungen ein und wollen mit anpacken. Aber hören, lesen und schauen Sie selbst, was Helen Frances Coultas, Ashwin Pillai, Veronica Bonimy und viele mehr zu sagen haben.

    Seit diesem Jahr verpflichtet die IMO Reedereien, sich vor Cyber-Risiken zu schützen. Die BG Verkehr, das BSH und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstützen Schifffahrtsunternehmen durch Rundschreiben und Empfehlungen. Die drei Behörden haben heute in einer Verwaltungsvereinbarung beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren. (14.9.2021)

    Unterschrift-Cyber-Security-300x200-mit-Namensnennung.jpgFür die Seeschifffahrt als wichtiger Teil der weltweiten Logistikkette wird das Thema Cyber-Sicherheit immer wichtiger. Spätestens der Angriff mit der Schadsoftware "NotPetya" im Jahr 2017, bei dem allein bei der Maersk-Reederei ein Schaden von mehreren hundert Millionen Euro entstand, hat deutlich gemacht, welche immensen Ausmaße Cyber-Angriffe in der Seeschifffahrt haben können.

    Seeschiffe sind vermehrt Cyber-Angriffen ausgesetzt, denn sie sind schwimmende Rechenzentren. Und diese Rechenzentren können angegriffen werden. So machen beispielsweise die an Bord genutzten Navigationssysteme Schiffe nicht nur anfällig für Störungen, sie verbinden sie auch mit dem Internet und sind so Einfallstore für Computerhacker.

    Auch in den Häfen lauern Cyber-Gefahren. Die Zutrittssysteme, das Cargo-Handling, die Steuerungssysteme der Kräne, die in vielen industriellen Steuerungsanlagen eingesetzte SCADA-Software machen Häfen zu hochvernetzten IT-Systemen. Je weiter die Verknüpfung von Steuerungs- und Navigationssystemen auf See und an Land mit weiteren Netzen und Entertainment-Systemen voranschreitet, umso mehr erleichtern IT-Schnittstellen entlang dieser Kette Dritten den Zugriff auf Unternehmensnetzwerke.

    Die IMO verpflichtet die Reedereien seit diesem Jahr, sich vor Cyber-Risiken zu schützen. Die Schiffsbetreiber sollen entsprechende Maßnahmen in ihre bestehenden ISM-Systeme integrieren. Die BG Verkehr, das BSH und das BSI als zuständige Behörden für die Cyber-Sicherheit in der Seeschifffahrt helfen den deutschen Reedereien bei dieser Aufgabe. Mit dem gemeinsamen Rundschreiben "ISM Cyber Security" geben die drei Behörden den Schifffahrtsunternehmen praktische Tipps zum Thema Cyber-Sicherheit. Sabine Kudzielka, Vorsitzende der Geschäftsführung der BG Verkehr, betont: „Die Fachleute unserer Dienststelle Schiffssicherheit unterstützen gerne die Reedereien, ein individuelles Cyber-Risk-Management in ihrem Unternehmen zu etablieren. Unsere Experten sind früher selbst zur See gefahren und wissen, worauf es in der Praxis ankommt."

    Auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) verweist auf seine Kompetenzen im Bereich Cyber-Security: „Das BSH ist zuständig für die Überprüfung von Gefahrenabwehrsysteme an Bord von Schiffen unter deutscher Flagge. Darüber hinaus arbeiten wir mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung auf unserer Technologie-Entwicklungsplattform im BSH-Systemlabor an Lösungen, mit denen unbefugtes digitales Eindringen in die Schiffssysteme unterbunden werden kann“, erklärt die Präsidentin des BSH, Dr. Karin Kammann-Klippstein.

    Die BG Verkehr, das BSH und das BSI haben nun eine Intensivierung ihrer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Cyber-Sicherheit auf See vereinbart. Auf Basis einer heute unterschriebenen Verwaltungsvereinbarung wollen sie die Reedereien für das Thema Informationssicherheit sensibilisieren, Unterstützung anbieten und gemeinsame Projekte durchführen. „Wir wollen Wissen und Erfahrungen zur Informationssicherheit für Reedereien und Unternehmen der deutschen Seeschifffahrt teilen und einen erfolgreichen digitalen Wandel in der Schifffahrt mitgestalten“, freut sich Dr. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI. „Dazu ist die Verwaltungsvereinbarung ein wichtiger Schritt.“

    Zudem werden BG Verkehr und BSH Mitglied der Allianz für Cyber-Sicherheit und informieren das BSI über IT-Sicherheitsvorfälle in der Seeschifffahrt für ein genaueres Lagebild. Auch gemeinsame Publikationen wie Leitfäden und Checklisten sollen erstellt werden.

    Mit dem Programm Qualship 21 zeichnet die US-Küstenwache jeweils zum 30.Juni eines Jahres Flaggenstaaten für hervorragende Leistungen aus. (8.9.2021)

    Deutsche Flagge auf BootFlaggenstaaten, die sich für das Programm registrieren lassen, müssen in "herausragender Weise" internationale Standards hinsichtlich Sicherheit und Qualität erfüllen und einen umfangreiche Anforderungskatalog umsetzen. Eine Herausforderung für jede Flagge, etliche scheitern daran.

    Der Deutschen Flagge wurde auch in diesem Jahr das begehrte Zertifikat der United States Coast Guard ausgestellt.

    Das ist nicht nur eine erfreuliche Nachricht für die deutsche Flaggenstaatverwaltung, sondern auch für alle Reeder, die auf die Deutsche Flagge setzen: Denn damit Schiffe bei der Beurteilung durch die US Coast Guard in die bevorzugte Kategorie "Qualitätsschiff" aufgenommen werden, ist die Registrierung bei einer voll zertifizierten Flaggenstaatverwaltung ein wichtiges Kriterium.

    Wie kann die maritime Branche zum Erreichen der Klimaziele beitragen? Wie lassen sich Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang bringen? Unter diesem Motto veranstaltet das Deutsche Maritime Zentrum am 26. November 2021 das dritte Maritime Research Forum. (03.09.2021)

    Wissenschaft und Wirtschaft im direkten Dialog, rund die Themen Klimaschutz und Zukunftstechnologien im maritimen Sektor. Möchten auch Sie aktuelle Forschungsergebnisse vorstellen? Im Call for Papers des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und des Deutschen Maritimen Zentrums (DMZ) erfahren Sie mehr.

    Seeleute können sich in deutschen Häfen gegen das Corona-Virus impfen lassen. Die Impfungen sind kostenlos und werden von Fachleuten dringend empfohlen, da sie gegen schwere Erkrankungen schützen und Crewwechsel ermöglichen. (26.08.2021)

    Impfen-der-Seeleute© BG Verkehr/Kirk WilliamsIn Hamburg, Kiel, Rostock, Bremen und Bremerhaven und in weiteren deutschen Häfen können sich Seeleute – egal welcher Nationalität und der Flagge ihrer Schiffe – gegen das COVID-19-Virus impfen lassen. Die Impfungen sind kostenlos und freiwillig. In der Regel wird das Vakzin von Johnson & Johnson verimpft, da nur eine Impfung erforderlich ist. Für den Transport zu den Impfstellen im Hafen ist gesorgt; in einigen Fällen gibt es auch die Möglichkeit von mobilen Impfteams, die an Bord kommen.

     Kapitäne sollten ihren Seeleuten Landgang für die Impfungen gewähren. Die Impfungen bieten den besten Schutz gegen schwere Erkrankungen durch COVID-19 und tragen zudem zur Eindämmung der Pandemie bei. Impfungen von Seeleuten sind zudem wichtig, da viele Staaten für Einreisen Impfnachweise verlangen und nur so Landgang und Besatzungsablösungen möglich sind.

     Für die Impfungen sollten sich Reedereien und Kapitäne an ihre Schiffsagenten in Deutschland wenden, die dann die weitere Organisation übernehmen. Weitere Einzelheiten sind in den Corona-Infos auf www.deutsche-flagge.de veröffentlicht.

    Seeleute aus Nicht-EU-Staaten benötigen ein Schengen-Visum, wenn sie auf einem Schiff arbeiten, das Offshore-Arbeiten im deutschen Küstenmeer durchführt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Urteil festgestellt. Betroffen waren ukrainische Seeleute auf einem unter Panama-Flagge fahrenden Offshore-Supply-Schiff. (17.08.2021)

    Im Herbst 2017 war das unter Panama-Flagge fahrende Offshore-Supply-Schiff "Atlantic Tonjer" für Arbeiten zur Errichtung eines Offshore-Windparks im deutschen Küstenmeer, also innerhalb der 12-Seemeilen-Zone, eingesetzt worden. Bei einer Kontrolle stellte die Bundespolizei fest, dass die an Bord arbeitenden ukrainische Seeleute kein Schengen-Visum besaßen. Die Bundespolizei forderte die Seeleute daraufhin zur Ausreise auf.

    Windpark Areva Multibrid_jan OelkerDas Verwaltungsgericht Schleswig hatte in seinem Urteil vom 20. Februar 2019 zunächst festgestellt, dass die Ausreiseverfügung rechtswidrig gewesen sei, da die Seeleute für ihre Arbeit an Bord kein Schengen-Visum der Kategorie "C" benötigen würden. Die Seeleute hätten nicht in das Bundesgebiet einreisen wollen, so dass nach § 26 Absatz 1 Aufenthaltsverordnung kein sog. Aufenthaltstitel (Visum o. a.) notwendig sei.

    Das Bundesverwaltungsgericht stellt nun in seinem Urteil vom 27. April 2021 fest, dass Nicht-EU-Seeleute auch dann ein Schengen-Visum der Kategorie "C" benötigen, wenn sie an Bord eines Seeschiffes arbeiten, das Offshore-Arbeiten im deutschen Küstenmeer durchführt. Seeleute auf Seeschiffen in deutschen Seegewässern benötigten nur dann keinen Aufenthaltstitel, wenn ihr Schiff Waren und Personen im Transitverkehr beförderten. Ein solcher Fall der "friedlichen Durchfahrt" nach Artikel 17 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen liege bei Offshore-Arbeiten durch ein Seeschiff im Küstenmeer nicht vor. Die Durchfahrt nach dem Seerechtsübereinkommen schließe zwar das Anhalten und Ankern mit ein, aber nur soweit, als dies zur "normalen" Schifffahrt gehöre oder infolge Gewalts, eines Notfalls oder zur Hilfestellung für Personen oder andere Schiffe erforderlich sei. Im Küstenmeer gelte das Flaggenstaatsprinzip bis auf wenige Ausnahmen – darunter das Recht der friedlichen Durchfahrt – nicht.

    Im vorliegenden Fall des 81m langen Offshore-Supply-Schiffes hätten daher die ukrainischen Seeleute ein Visum "zum Zweck der Erwerbstätigkeit" benötigt. Zwei der drei Kläger hatten ein von den Niederlanden und Litauen ausgestelltes Schengen-Visum; dies reiche aber nicht aus, so das Bundesverwaltungsgericht. Ein deutsches Schengen-Visum der Kategorie C beinhalte dagegen neben dem Aufenthaltsrecht auch das hier erforderliche Recht zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit.

    Das Bundesverwaltungsgericht hat zudem deutlich gemacht, dass die Ausnahmevorschrift des § 26 Aufenthaltsverordnung, nach der in bestimmten Konstellationen kein Aufenthaltstitel erforderlich ist, hier nicht anzuwenden sei. Diese Vorschrift sei für den grenzüberschreitenden Durchgangs- und Transitverkehr gedacht, nicht jedoch bei einem längeren Aufenthalt für Offshore-Arbeiten auf einem Seeschiff im deutschen Küstenmeer.

    Für die Praxis ist zu beachten, dass sich das Gerichtsurteil auf eine Fallkonstellation im deutschen Küstenmeer bezieht. Die meisten deutschen Offshore-Windparks stehen aber außerhalb der 12-Seemeilen-Zone in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ).

     

    Am 26. September ist Bundestagswahl. Deutsche Seeleute mit Wohnsitz in Deutschland können daran teilnehmen, auch wenn sie gerade mit ihrem Seeschiff unterwegs sind. Wir erklären, wie das funktioniert.

    Bild Deutscher Bundestag/Katrin Neuhauser (klein)Alle volljährigen Deutschen, die seit mindestens drei Monaten in Deutschland wohnen und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen worden sind (z. B. durch eine Gerichtsentscheidung), dürfen an der Bundestagswahl teilnehmen. Damit dürfen auch deutsche Seeleute wählen. Da es keine Online-Wahlen gibt, bleibt für Seeleute, die am 26. September an Bord eines Seeschiffes unterwegs sind, nur die Möglichkeit der Briefwahl. Was gibt es dabei zu beachten?

    Seeleute sollten ihre Briefwahlunterlagen ab sofort bei ihrer jeweiligen Wohnort-Gemeinde schriftlich (E-Mail reicht) beantragen. Dazu benötigt die Gemeinde den Familiennamen, Vornamen, das Geburtsdatum und die Wohnanschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort). Für den Antrag muss man nicht auf die Wahlbenachrichtigungskarte warten.

    Als Adresse für die Briefwahlunterlagen sollten Seeleute den Sitz ihrer Reederei angeben. Die Reederei stellt dann über ihren Schiffsagenten in den jeweiligen Anlaufhäfen die Briefwahlunterlagen zu und sorgt für die Rücksendung der Wahlbriefe nach Deutschland (ggf. per Luftpost).

    Falls die Wohnort-Gemeinde eines Besatzungsmitglieds fälschlicherweise der Meinung sein sollte, dass man Briefwahlunterlagen nur an dessen Wohnsitzadresse schicken darf, sollte man auf § 28 Absatz 4 Satz 2 Bundeswahlordnung verweisen. Dort ist geregelt, dass auch eine Versendung an eine andere als die Wohnanschrift zulässig ist. Das Briefwahlverfahren speziell für Seeleute ist auch in einer aktuellen Pressemitteilung des Bundeswahlleiters beschrieben.

    Übrigens: Auch deutsche Seeleute, die auf Schiffen unter ausländischer Flagge fahren und aus Deutschland weggezogen sind, dürfen wählen – die Einzelheiten für die Eintragung in das Wählerverzeichnis regelt § 17 Absatz 2 Nummer 5 der Bundeswahlordnung.

    Für Handelsschiffe unter deutsche Flagge sind einige neue Vorgaben für die medizinische Ausstattung an Bord in Kraft getreten.

    Neue medizinische Ausstattung (groß)Der neue "Stand der medizinischen Erkenntnisse" enthält neben den Ausstattungsverzeichnissen auch praktische Hinweise zur Aufbewahrung von Medikamenten und Medizinprodukten an Bord. Die Reeder müssen die Änderungen erst bei der nächsten jährlichen Überprüfung der medizinischen Ausstattung umsetzen.

    Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik "Maritime Medizin". Die zusammengefassten Änderungen gegenüber dem vorherigen Stand der medizinischen Erkenntnisse haben wir Ihnen in einem Informationsblatt zusammengestellt.

    Bunkeröllieferanten auf einen Blick

    Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bietet ab sofort im Internet eine neue Übersicht der Bunkeröllieferanten an. Die neue Anwendung macht die Suche nach Bunkerlieferanten einfacher und komfortabler.

    Reedereien können jetzt örtlich tätige Lieferanten von ölhaltigem Brennstoff (Schiffskraftstoff) auf der BSH Website nach Standorten, Kraftstoffen und Liefermethoden filtern. Unter https://www.bsh.de/DE/THEMEN/Schifffahrt/Umwelt_und_Schifffahrt/MARPOL/_Module/Akkordeon/Anlage_6/Anlage_6.html sind inzwischen mehr als 30 Lieferanten gelistet. Weitere sollen noch in 2021 aufgenommen werden.

    Das BSH führt dieses Verzeichnis der örtlich tätigen Bunkerlieferanten auf Grundlage des internationalen Übereinkommens zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL, Anlage VI Regel 18 Absatz 9.1). Sofern am Markt tätige Lieferanten in dem Verzeichnis fehlen und für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an das

    Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
    Bernhard-Nocht-Straße 78
    20359 Hamburg
    E-Mail: marpol@bsh.de.

    Gültigkeit von MED-Zertifikaten nach dem Brexit

    Das Vereinigte Königreich hat mit Ablauf des 31. Januars 2020 die Europäische Union verlassen und ist nunmehr Drittstaat. Aufgrund eines vereinbarten Übergangszeitraums ergaben sich vorerst bis zum 31. Dezember 2020 keine produktrechtlichen Veränderungen für MED-Schiffsausrüstung.

    Seit dem 1. Januar 2021 können Konformitätsbewertungsverfahren gemäß der MED jedoch nicht mehr durch britische Konformitätsbewertungsstellen durchgeführt werden. Zertifizierungsurkunden für MED-Schiffsausrüstung dürfen entsprechend durch sie seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr ausgestellt werden.

    Auch können bereits vor dem 1. Januar 2021 ausgestellte Zertifizierungsurkunden von nunmehr ehemaligen britischen Notifizierten Stellen seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr durch den Hersteller von MED-Schiffsausrüstung im Rahmen der MED-Konformitätsbewertung herangezogen werden. Ein weiteres Anbringen des Steuerrad-Kennzeichens auf MED-Schiffsausrüstung ist auf Grundlage dieser Urkunden seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr möglich!

    Hier finden Sie weitere Informationen zu folgenden Themen.

    • MED Schiffsausrüstung
    • Schiffsausrüstung im Vereinigten Königreich
    • Austrittsabkommen zwischen EU und Vereinigtem Königreich

    FAQ: Deutsche Flagge zum Coronavirus

    Auch wir als Deutsche Flagge tragen Verantwortung, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Wir passen daher unsere Verfahren für Schiffszeugnisse und Besichtigungen laufend an die jeweils aktuelle Lage an. Für Seeleute gibt es Erleichterungen bei Befähigungszeugnissen und -nachweisen. Die wichtigsten Informationen dazu finden Sie in unserem offiziellen Statement der Deutschen Flagge.

    In unserer FAQ "Corona Info" beantworten wir alle wichtigen Fragen zu den Folgen von COVID-19 für Seeleute und Reedereien. Wenn Sie weitere Fragen haben, mailen Sie uns gerne unter Feedback.

    Medizinische Tipps für Seeleute und Reeder

    Das Coronavirus ist auch ein Thema für die Seeschifffahrt. Wir geben Seeleuten und Reedern Tipps, wie man sich vor dem Virus schützt und was bei Verdachtsfällen zu tun ist:

    1. Das im November 2019 neu veröffentlichte "Medizinische Handbuch See" des Seeärztlichen Dienstes der BG Verkehr enthält konkrete Empfehlungen für Hygienemaßnahmen bei der Behandlung von möglicherweise infizierten Personen an Bord. Dazu gehören unter anderem:
      • Beim Behandler:
        • Eigenschutz durch das Tragen der an Bord befindlichen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Untersuchungshandschuhe, OP-Mundnasenschutz, Einmal-Schürze
        • Händehygiene mit dem viruziden Händedesinfektionsmittel (Nr. 18.01 der deutschen Bordapotheke) zum Vermeiden der Krankheitserreger-Übertragung
      • Beim Patienten:
        • Isolationsmaßnahmen von infizierten oder infektionsverdächtigen Personen und deren Kontaktpersonen
      • Räumlichkeiten an Bord:
        • Hygienemaßnahmen der medizinisch genutzten Räume und Einrichtungen
      • Die notwendigen Informationen zum Verfahren der Kontaktaufnahme mit dem Funkärztlichen Beratungsdienst und der Zusammenarbeit mit den Hafenärztlichen Diensten einschließlich vorgeschriebener Meldeverfahren sind ebenfalls im "Medizinischen Handbuch See" enthalten. Das "Medizinische Handbuch See" ist beim Dingwort-Verlag bestellbar (https://dingwort-verlag.de/medizin/). Die englische Version des Handbuches erscheint im Frühjahr.
    2. Bei Verdachtsfällen kontaktieren Sie bitte frühzeitig den Funkärztlichen Beratungsdienst Cuxhaven, der Ihnen weitere Hinweise zur Behandlung der erkrankten Person geben kann.
    3. Die Arbeitsgruppe "EU Healthy Gateways joint action consortium" hat auf europäischer Ebene vorläufige Empfehlungen für Reedereien zum Umgang mit dem Coronavirus zusammengestellt (auf Englisch). Die Seiten 2-8 der "Interim Advice for ship operators" enthalten konkrete Empfehlungen für Kreuzfahrtschiffe, die Seiten 9 bis 11 für Frachtschiffe.
    4. Bei einem Verdachtsfall auf einem Schiff, das einen deutschen Hafen anläuft, kontaktieren Sie bitte bereits vor dem Anlaufen den zuständigen Hafenärztlichen Dienst. Die Fachleute dort informieren Sie dann über die weiteren Maßnahmen. Die Kontaktdaten der für deutsche Häfen zuständigen Hafenärztlichen Dienste finden Sie auf der Website der Freien und Hansestadt Hamburg.
    5. Aktuelle und ausführliche Informationen über das Coronavirus im Allgemeinen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Institutes, der zentralen Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention, sowie auf der Website der Weltgesundheitsorganisation WHO.
    6. Aktuelle Reisehinweise zu den Ländern, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amtes.

    Die Coronakrise belastet auch Schiffsbesatzungen in der internationalen Fahrt. Ansprechpartner der BG Verkehr stehen für Beratungen zur Verfügung.

    Besatzungswechsel können oft nur verzögert und unter großen Schwierigkeiten durchgeführt werden. So kommen Einsatzzeiten an Bord von mehr als zehn Monaten vor. Zudem fehlt oft Planungssicherheit. Auch Landgänge in Häfen, beispielsweise zur Seemannsmission oder zu einem WLAN-Zugang, können von Quarantänevorschriften betroffen sein.

    Seminar

    Einige Besatzungsmitglieder verlieren so die Möglichkeit, durch Internettelefonie ihre Kontakte zu Familienangehörigen oder Freunden zu pflegen. Das Einfühlungsvermögen der Vorgesetzten, niederschwellige Beratungsangebote und Austausch im Team können helfen, dem Druck standzuhalten.

    Als Ansprechpartner für eine Beratung der Unternehmen, deren Beschäftigten mit diesen Problemen konfrontiert sind, steht die zuständige Aufsichtsperson der BG Verkehr gerne zur Verfügung. Ansprechpartner finden Sie auf der Website der BG Verkehr. Dieses Angebot ist ein Service der berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherung für Reedereien mit Schiffen unter deutsche Flagge und/oder für Seeleute mit einer sog. Ausstrahlungsversicherung (deutsche Seeleute mit Wohnsitz in Deutschland auf Seeschiffen unter ausländischer Flagge).

    In einem neuen Video erklärt der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr das richtige An- und Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung . Die für die Medizin an Bord zuständigen Nautischen Offiziere können sich so effektiv gegen Infektionskrankheiten schützen. Das Video ist ab sofort abrufbar.

    Wie schützt man sich an Bord, wenn der Verdacht auf eine Infektionskrankheit bei einer Person an Bord besteht? Diese Frage ist in der Seefahrt nicht neu, aber durch die Covid-19-Pandemie wieder in das Bewusstsein der Seeleute gerückt. Das im Herbst neu erschienene Medizinische Handbuch See des Seeärztlichen Dienstes gibt dazu konkrete Antworten und wird jetzt durch ein neues Video erweitert.

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    Der beste Schutz gegen ansteckende Infektionen an Bord ist regelmäßiges Händewaschen, Desinfizieren und Tragen der der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Handschuhe, Mund-Nasen-Maske und Schutzbrille. Die beste Schutzausrüstung hilft aber nur, wenn Seeleute sie richtig an- und ablegen. Dabei hilft das neue Video des Seeärztlichen Dienstes "An- und Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA)". Der gut dreiminütige Lehrfilm erklärt unter anderem, in welcher Reihenfolge die Schutzausrüstung abgelegt werden muss, damit es zu keinen ungewollten Infektionen kommt.

    Seeleute können sich das Video auf Deutsch und Englisch über einen QR-Code oder über den Link https://www.medizinisches-handbuch-see.de/Schutzausruestung.html abrufen. Der Film ist Bestandteil des Medizinischen Handbuches See, das die zentrale Praxishilfe zur medizinischen Versorgung an Bord von Seeschiffen ist.

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    Da das Video nach dem Erscheinen der deutschen Ausgabe des Medizinischen Handbuches See konzipiert wurde, fehlt dort der QR-Code. Die Nutzer des Handbuches sollten den QR-Code auf den Seiten 26 und 485 einkleben. In der englischen Ausgabe des Handbuches, das in Kürze erscheint, ist der neue QR-Code schon enthalten.

    Lange galt Asbest als Wundermittel: Das natürliche Mineral ist feuerfest, isolierend, leicht zu verarbeiten und zudem noch günstig. Doch Asbest macht krank und kann Krebs verursachen. Die BG Verkehr hat nun zusammengefasst, was Reedereien bei einer Einflaggung eines asbestbelasteten Schiffes beachten müssen.

    Wer in der Vergangenheit mit Asbest arbeitete, atmete häufig den Staub und damit die feinen Asbestfasern ein. Die mögliche Folge: bösartige Krebstumore oder Veränderungen des Lungenfells. Die Berufsgenossenschaften erkennen die berufsbedingte Staublungenerkrankung durch Asbest, die sogenannte Asbestose, als Berufskrankheit an. Asbest ist bei den tödlich verlaufenden Berufskrankheiten die häufigste Todesursache. Zwischen der Arbeit mit Asbest und dem Ausbruch der Krankheit können mehrere Jahrzehnte liegen. Im Mittel liegt die Latenzzeit bei 38 Jahren.

    Seit 1993 darf Asbest in Deutschland nicht mehr hergestellt oder verwendet werden, auf europäischer Ebene seit 2005. Ab 2019 müssen alle Schiffe unter einer EU-Flagge ab 500 BRZ über ein Gefahrstoffverzeichnis verfügen, in dem auch Asbest erfasst sein muss. Mit dieser Verpflichtung aus der Verordnung EU/1257/2013 will die EU die Vorgaben aus der Schiffsrecyling-Konvention („Hong Kong Convention“) in ihr Recht umsetzen.

    Weltweit gibt es dagegen kein Asbest-Verbot. Auf älteren Seeschiffen kann daher noch Asbest vorhanden sein. Flaggt ein solches Schiff unter die deutsche Flagge ein, muss der Reeder unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, ein Asbest-Kastaster erstellen und für Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen für seine Seeleute sorgen. Der Geschäftsbereich Prävention der BG Verkehr hat eine „Zusammenstellung der Pflichten eines Reeders bei der Einflaggung eines asbestbelasteten Schiffes“ erstellt.

    Ergänzend zu dieser Zusammenstellung müssen Schiffsbetreiber auch die Vorschriften des internationalen SOLAS-Übereinkommens zum Verbot von Asbest auf Seeschiffen beachten. Das Rundschreiben MSC.1/Circ1374 "Informationen zum Verbot der Verwendung von Asbest an Bord von Schiffen" des Schiffssicherheitsausschusses der IMO gibt genauere Vorgaben und Informationen zum Thema Asbest auf Seeschiffen:

    1. Auf Schiffen, welche vor dem 01.07.2002 gebaut wurden, dürfen asbesthaltige Materialien noch verbaut und zugelassen sein, sofern von diesen Materialien keine Gefährdung für die Besatzung an Bord ausgeht.
    2. Auf Schiffen, welche nach dem 01.07.2002 und vor dem 01.01.2011 gebaut wurden, darf der Einbau von asbesthaltige Materialien noch in Ausnahmefällen genehmigt worden sein.
    3. Auf Schiffen, welche nach dem 01.01.2011 gebaut wurden, dürfen asbesthaltige Materialien nicht mehr verbaut und neu eingebaut werden (vgl.  Kapitel II-1, Regel 3-5 des SOLAS-Übereinkommens).

    Das Rundschreiben ist im Verkehrsblatt Heft 19/2013 vom 23.09.2013 in deutscher Sprache veröffentlicht worden und ist für Schiffe unter deutscher Flagge verbindlich.

    Auf manchen Seeschiffen finden Fachleute bei späteren Untersuchungen Asbest - zum Beispiel beim Erstellen eines Gefahrstoffinventars (IHM) nach der der EU-Verordnung 1257/2013 und des Hongkong-Übereinkommens für das Recycling von Schiffen. In diesen Fällen gilt für eine Asbestsanierung an Bord oder den Austausch des gesamten asbesthaltigen Materials eine Übergangszeit von maximal drei Jahren (vgl. Rundschreiben MSC.1/Circ1374). Diese Übergangszeit von maximal drei Jahren kann auch dann nicht verlängert werden, wenn:

    1. das Schiff zwischenzeitlich seine Flagge wechselt oder
    2. bei einem Schiff unter ausländischer Flagge bereits vor drei Jahren Asbest festgestellt wurde und das Schiff jetzt unter die deutsche Flagge gebracht werden soll.

    Für Rückfragen zu diesen Vorgaben stehen die Experten des Referates Maschine der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr gerne bereit (e-mail: maschine@bg-verkehr.de oder Dipl.-Ing. Holger Steinbock unter der Tel.: +49 40 361 37-217).

    Die deutsche Flagge ist rund um die Uhr an 365 Tagen für Sie da. Unter der Telefon-Nummer +49 40 3190-7777 erreichen Sie unsere Fachleute für alle Fragen rund um die Seeschifffahrt unter deutscher Flagge.

    Die Maritime 24/7-Hotline wird vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) angeboten. Zusätzlich können Sie auch den Bereitschaftsdienst der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr nutzen. Mehr Informationen finden Sie in unserer Rubrik Ansprechpartner.

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